Hubertus Schröter

heute berichten wir über Hubertus Schröter, der in den 90er Jahren beim TSV 08 Fußball spielte und lange Jahre noch engen Kontakt zu vielen Groß Schneer Spielern hatte. Hubertus ist heute 42 Jahre alt, verheiratet und hat 4 Kinder.

Er berichtet über seine Zeit beim TSV:

 

Hubertus heute
Hubertus heute

Ich kam während meiner Zivildienstzeit Anfang der 90er Jahre zum TSV Groß Schneen, da der damals noch in der 1. Herrenmannschaft aktive, heutige Vereinsvorsitzende wohl meine Telefonnummer und die Auskunft erhalten hatte, dass ich Fußball spiele und eventuell eine Verstärkung für die 1. Mannschaft sein könnte. Er klingelte also eines Nachmittags bei uns, meine Schwester ging ran und kam mit dem Hinweis zu mir, dass jemand mit dem Namen „Krack“ oder „Frack“ am Apparat sei. Ich konnte mit beiden Namen nichts anfangen, ging aber trotzdem ran. Am anderen Ende stellte mir eine mir bis dahin nicht bekannte Stimme folgende Fragen, ohne sich zunächst einmal vorzustellen:

 

„Kennst Du Klingebiel?“

„Kennst Du Lottmann?“

„Spielst Du Fußball?“

 

So oder so ähnlich war das wohl. Es ist inzwischen lange her und ich erinnere mich nur noch ungefähr. Jedenfalls kam ich kurz darauf zum ersten Mal zum Training nach Groß Schneen. Es folgten einige mittelmäßig erfolgreiche Jahre, in denen ich immer wieder das Potential erahnte, das in der Mannschaft steckte. Allerdings hatten wir damit zu kämpfen, dass nie über einen längeren Zeitraum alle Spieler zur Verfügung standen. Wir klopften daher regelmäßig für eine gewisse Zeit an die Tür zu den oberen Tabellenplätzen, mussten gegen Ende der Saison aber stets aufs Neue gegen den Abstieg kämpfen. Bis, ja bis ein ganz besonderes Jahr anbrach, das sich bis heute nicht richtig erklären lässt.

 

Ich glaube es handelte sich dabei um die Saison 1994/95: Viele Spieler, vor allem Studenten, deren Pass zwar in Groß Schneen lag, die aber aus unterschiedlichen Gründen bisher nur gelegentlich oder gar nicht zum Fußball gekommen waren, erschienen plötzlich regelmäßig beim Training und zu den Spielen. Auch ich kam mit Freunden jede Woche aus Köln, wo wir damals studierten, freitags zum Training angereist und kehrte Sonntagabend, häufig auch erst am Montag zurück. Schnell wurde klar, dass mit dieser Mannschaft einiges erreicht werden konnte. Bereits am zweiten Spieltag schlug man den damaligen Aufstiegsfavoriten aus Staufenberg auf dessen eigenem Platz in einem denkwürdigen Spiel mit 4:1. Das war erst der Auftakt für eine geradezu rauschhafte Saison, an deren Ende die Meisterschaft und der Aufstieg in die Kreisliga standen. Es ist mir an dieser Stelle unmöglich, all die einzigartigen Dinge zu schildern, die sich in dieser Zeit auf und abseits des Platzes ereigneten. Auch in die Folgesaison starteten wir sehr erfolgreich, besiegten am Höhepunkt die von Otto Bock gesponserte Mannschaft aus Duderstadt zu Hause mit 4:0 und waren plötzlich nicht nur im Eichsfelder Raum in aller Munde. Trainer Werner Degenhardt sprach mit Funkeln in den Augen von seiner Vision, in die Bezirksliga und vielleicht noch weiter aufzusteigen. Man sah auf einmal Leute auf dem Platz, von denen alteingesessene Groß Schnee(n)er sagten, dass sie sie seit zehn Jahren nicht auf der Anlage am Einzelberg gesehen hätten. Mit anderen Worten, es herrschte eine ungeheure Euphorie. Die Stimmung zwischen Spielern und Zuschauern war außergewöhnlich. Man charterte Busse für Auswärtsspiele, teilweise kamen über 100 Zuschauer, um die 1. Mannschaft spielen zu sehen.

 

Wie jeder Rausch hatte auch dieser jedoch irgendwann ein Ende. Es begann damit, dass Leistungsträger von außerhalb aus Studien- oder anderen Gründen immer häufiger wegblieben, die ersten Misserfolge stellten sich ein. Ich war frustriert und wollte nicht wahrhaben, dass dieser Traum zu Ende sein sollte. Doch er war es. Eines Tages kam auch ich nur noch unregelmäßig und blieb schließlich weg. Am Ende der Saison stieg die Mannschaft nach nur einem Jahr wieder aus der Kreisliga ab.

 

Geblieben ist Ernüchterung, ein ausgewachsener Kater, an dem ich noch einige Zeit litt. Es fiel mir lange schwer, innerlich Abschied zu nehmen. Geblieben ist aber auch die Erinnerung an ganz besonderes Jahr. Ich müsste ein Buch verfassen, um alles festzuhalten, was sich in dieser Zeit ereignet hat.

 

Lebenslauf nach der aktiven Zeit beim TSV:

 

Nach dieser unvergesslichen Zeit spielte ich nie mehr richtig Fußball, nur noch sporadisch, ich glaube einige Male auch in Groß Schneen, u.a. half ich in der Ära Kallmeyer zwischendurch aus, wenn ich mich recht entsinne. Daneben spielte ich nach meinem Wegzug aus Köln am Anfang des neuen Jahrtausends zwar gelegentlich in einer Berliner Freizeitmannschaft. Doch geschah das Unvermeidliche und für mich 15 Jahre zuvor noch Undenkbare: Der Fußball verlor schrittweise seine Bedeutung in meinem Leben, erst recht als ich meine Frau kennenlernte und unsere Töchter zur Welt kamen.

 

Inzwischen leben wir mit vier Mädchen im Berliner Südwesten, wo ich als Lehrer für Deutsch und Englisch arbeite. Über die Homepage des TSV und bei fussball.de verfolge ich aus der Ferne aber nach wie vor interessiert die Geschicke des TSV, der sich momentan offenbar ganz achtbar in der Kreisliga aus der Affäre zieht. Auch das ein oder andere Fußballspiel im Fernsehen sehe ich mir bisweilen an. Meine aktive Zeit ist jedoch endgültig vorbei. Die Erinnerung an außergewöhnliche Jahre in Groß Schneen lebt allerdings weiter…